Wenn eine Schulklasse den Sächsischen Landtag besucht, dann geht es nicht um eine Kaffeefahrt und auch nicht darum, den Schülern eine politisch genehme Meinung zu präsentieren. Es geht schlicht um Demokratie. Nun kommt es an unseren sächsischen Schulen – und hier erneut in meinem Wahlkreis an einem Gymnasium – immer wieder dazu, dass bei diesen Schulausflügen Schüler nicht mit entscheiden können, mit welchen Abgeordneten oder Parteien sie an diesem Tag sprechen dürfen.
Und deshalb stellt sich eine ganz einfache Frage: Warum sollen eigentlich Lehrer allein entscheiden, mit welchem Abgeordneten Schüler ins Gespräch kommen?
Natürlich muss die Schule organisieren. Natürlich tragen die Lehrer die Verantwortung. Aber Schüler sind keine Statisten einer politischen Lehrveranstaltung.
Sie sollen Demokratie erleben, hinterfragen und auch widersprechen dürfen. Gerade ein Gespräch mit einem Abgeordneten, dessen Positionen man vielleicht nicht teilt, kann politisch wertvoll sein. Demokratie bedeutet schließlich nicht, nur diejenigen zu Wort kommen zu lassen, denen man ohnehin zustimmt. Die sächsischen Vorgaben sehen ausdrücklich vor, dass politische Veranstaltungen an Schulen pluralistisch gestaltet und nach den Grundsätzen des Beutelsbacher Konsenses vorbereitet werden. Auch bei Schulfahrten sollen Schülerinnen und Schüler ihrem Alter entsprechend möglichst umfassend in die Vorbereitung einbezogen werden.
Deshalb sollte die Frage nicht lauten: „Welchen Abgeordneten möchte der Lehrer den Schülern vorstellen?“
Sondern:
„Welche politischen Themen interessieren die Schüler – und mit wem möchten sie darüber diskutieren?“ Das wäre gelebte Demokratie.
Denn wer jungen Menschen ständig erklärt, wie wichtig politische Beteiligung ist, ihnen aber gleichzeitig vorgibt, mit wem sie sprechen dürfen und mit wem nicht, sendet ein ziemlich widersprüchliches Signal. Demokratie heißt nicht: Wir entscheiden für euch, was ihr hören dürft.
Demokratie heißt: Wir geben euch die Möglichkeit, euch selbst eine Meinung zu bilden. Gerade Schulen sollten dabei Vorbild sein. Wer Demokratie lehren will, muss Demokratie auch zutrauen.
Deshalb lautet mein Appell erneut an die Schüler in Sachsen und vor allem in meinem Wahlkreis Torgau-Oschatz: Fordert im Rahmen von Abstimmungen und Diskussionen euer Mitspracherecht ein. Sollte dies mit einer schlechteren Note im Nachhinein „honoriert“ werden, wendet Euch gern an mich!